Sep 24 2008

Statistischer Vergleich der Müllgebühren ist völliger Unsinn

Veröffentlicht unter Umwelt & Abfall.

Bürgermeister Krätschmer wundert sich über die Studie der Justus-Liebig-Universität (Gießen) im Auftrag der IHK
Wächtersbach. “Diese Studie ist rausgeschmissenes Geld, denn ein Vergleich der Müllgebühren der einzelnen Kommunen ist kaum möglich, weil die Gebührenstrukturen und auch die Voraussetzungen in den Gemeinden viel zu unterschiedlich sind”, kommentiert Wächtersbachs Rathauschef die Studie.

In Wächtersbach wird der Müll gewogen, die Gebühr setzt sich aus einer Grundgebühr und einer Gewichtsgebühr zusammen. Bioabfall wird ebenfalls gewogen, hier wird aber keine Grundgebühr erhoben. ” Hier hat jeder Haushalt die Möglichkeit mehr oder weniger zu trennen und entsprechend hohe oder niedrige Gebühren zu bezahlen”, erläutert Krätschmer, ” das kann man doch nicht mit einer Gebühr nach Anzahl der Personen oder einer Gebühr auf der Grundlage der Behältergröße vergleichen. Und wenn dann in einigen Gemeinden Kombinationen dieser Varianten bestehen und die Studie nur einen Teil der Gebühren berücksichtigt, ist sie nicht das Papier wert, auf dem diese Statistik ausgedruckt wird.”

Für Wächtersbach war ein Wert von 376 EUR angeben worden, den eine 4-köpfige Familie im Jahr an Müllgebühren zu bezahlen hätte. “Da hätte mich schon mal die Berechnung interessiert. Wir hätten danach über 1,15 Millionen EUR Einnahmen im Müllhaushalt; tatsächlich sind es nur 800.000 EUR. Für die angegebenen 150 kg Restmüll und 100 kg Biomüll muss in Wächtersbach eine Familie jedenfalls nur ca. 210 EUR bezahlen.”

Genau so unsinnig sei der Vergleich derselben Studie in Bezug auf den Industriemüll, erweitert Erste Stadträtin Susanne Turlach die Kritik. In Wächtersbach sehe die Abfallgebührensatzung überhaupt keine Unterscheidung vor, so dass auch die in der Studie gewählte Bemessungsgrundlage fragwürdig sei. “Unter einer wissenschaftlich seriösen Vorgehensweise stelle ich mir etwas anderes vor” bemerkt sie. “Eine einfache Nachfrage in den Stadtverwaltungen hätte die Gießener Universität vor diesen Fehlinterpretationen bewahrt.”

Im Übrigen wundere er sich schon sehr, wofür die IHK ihre Gelder verwende, äußert Bürgermeister Krätschmer. Wenn man wisse, dass sich die IHK”en aus Mitgliedsbeiträgen aufgrund von Zwangsmitgliedschaften finanzieren, sollte sich ein Betrieb schon fragen, zu welchem Zweck sein Geld verwendet werde.
Die von der IHK mehr oder minder unverblümt geforderte Gleichmacherei oder gar Gleichschaltung könne wohl kaum im Interesse der Wächtersbacher Bürger und Betriebe liegen, sind sich Bürgermeister und Erste Stadträtin einig.

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