Dez 15 2008
Schlossbesitzer blockiert die Einrichtung eines Medizinischen Versorgungszentrums
Bürgermeister Rainer Krätschmer gibt Antwort auf Anfrage zum Schloss
Er habe viele Gelegenheiten in den letzten Jahren genutzt, um die in politischer Verantwortung Stehenden über das Schloss zu unterrichten. Dabei sei ihm immer wichtig gewesen, den aktuellen Sachstand zu kommunizieren. Habe aber auch darum gebeten, mitzuhelfen, das Schloss als historisches Gebäude zu erhalten – und dabei einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Deshalb sei er um so mehr erstaunt über den Brief der CDU-Fraktion, die durch ihren Vorsitzenden Michael Creß eine schriftliche Anfrage zum Themenkomplex Schloss und Forsthaus – beide Immobilien gehören der Familie Dr. Avdo Hodzic – eingereicht hatte. Erstaunt um so mehr, weil genau diese Anfragen immer wieder im Laufe der letzten Jahre vom Bürgermeister intensiv und umfassend in seinen Berichten bei Stadtverordnetenversammlungen und Ortsbeiratssitzungen als auch Pressemeldungen behandelt worden waren. Da die CDU-Fraktion parallel zur Anfrage an den Magistrat diese über die Presse lanciert habe, wähle Bürgermeister Rainer Krätschmer ebenfalls diesen Weg, um die Bevölkerung erneut umfassend zu dem inzwischen über 10-jährigen Verhandlungsmarathon zu informieren.
Zur Historie müsse man wissen, dass Eigentümer des Schlosses die Familie Dr. Avdo Hodzic ist. Diese hat am 01.07.1998 einen Bauantrag zur Errichtung eines Pflegeheimes gestellt. Hierzu wurden das Einvernehmen der Stadt sowie die Genehmigung der Unteren Bauaufsichtsbehörde und der Denkmalschutzbehörde erteilt. Am 25.10.1999 wurde die Baugenehmigung für den Bau eines Pflegeheims erteilt – jedoch eine Umsetzung wurde immer wieder mit Ausreden verschoben. Eine der Aussagen hierzu war, dass zunächst das Haus Europa fertig zu renovieren und zu restaurieren ist sowie der Ankauf der Augusta-Schule (weiteren Immobilien der Familie Hodzic) erfolgen muss. Mehrere im Laufe der letzten Jahre geführte Bürgermeisteranfragen führten zu keinem Erfolg. Bei einem Ortstermin im Oktober 2008 bekräftigte Herr Dr. Hodzic vielmehr seine Absicht, eine Galerie im Schloss zu eröffnen; auch hier konnten keine weiteren konkreten Zusagen erwirkt werden. Einzig allein die Aussage dazu, er wolle Wächtersbach damit weltweit bekannt machen und er sei nicht nur an einem Profit interessiert.
Dies alles habe bei den Beteiligten jedoch die Vermutung hinterlassen, dass auch diese Aussage Schall und Rauch ist – wie alle die des Herrn Dr. Hodzic seit Einreichung seines Bauantrages. Damit habe sich der Verdacht erhärtet, dass es sich beim Schloss um ein reines Abschreibungsobjekt handelt.
Deshalb und vor dem Hintergrund, das Schloss zu erhalten und sinnvoll zu nutzen, habe Bürgermeister Krätschmer ständigen Kontakt mit den Denkmalschutzbehörden des Landes und des Main-Kinzig-Kreises, aber auch der Bauaufsicht gehalten. Beispielhaft hierfür sei das Schreiben der Unteren Denkmalschutzbehörde vom 18.06.2008 genannt, in dem Herr Dr. Hodzic ausdrücklich über Mängelfeststellungen und deren Beseitigungen insbesondere im Bereich des Eiskeller und der Sonnenterrasse hingewiesen wurde. Hierbei wurde auf bereits getätigte Schreiben vom 09.08.2007 und 28.08.2007 verwiesen. Gleichsam hat die Bauaufsicht mit Schreiben vom 10.10.2008 Herrn Dr. Hodzic mitgeteilt, dass Mängel an dem Gebäude festgestellt wurden und ihm die Einleitung eines ordnungsbehördlichen Verfahrens angedroht. Dies führte zu dem oben bereits erwähnten Ortstermin Ende Oktober 2008, in dem Herr Dr. Hodzic wieder zusicherte, alle Mängel zu beheben. Aufgrund des von der Stadt geäußerten Verdachtes, dass man hier wieder nur “hinter das Licht geführt werden sollte”, wurde seitens der Denkmalpflege der Fam. Hodzic empfohlen, die Planungen zu dem Vorhaben der Galerie soweit voranzutreiben, dass die Behörden auf Grundlage einer Bauvoranfrage die Gelegenheit hätten, sich zu dem Vorhaben eine Meinung zu bilden.
Diese Ausführungen machen deutlich, dass die zuständigen Behörden in vollem Umfange eingebunden wurden und auch gehandelt haben.
Mehrfach wurden Kaufinteressenten, die im Rathaus vorgesprochen haben, an den Eigentümer, Herrn Dr. A. Hodzic, weitergeleitet. Den Rückäußerungen der Interessenten sei jedoch, so wird aus der Stadtverwaltung dazu berichtet, zu entnehmen gewesen, dass zu keinem Zeitpunkt ein konkretes Verkaufsinteresse bestanden habe. Bürgermeister Rainer Krätschmer dazu: “Wir haben Herrn Dr. Hodzic zwei konkrete Interessenten in letzter Zeit genannt und Verbindung mit diesen hergestellt. Der eine Interessent ist in Deutschland ansässig. Dieser stand in Verbindung mit noch einem weiteren Interessenten, der in den USA ansässig ist und angeblich bereit ist, Millionen-Dollar zu investieren. Des Weiteren hat sich ein Ingenieurbüro aus Wächtersbach gemeldet, das dringend größeren Bedarf an Bürofläche hat. Es hatte bereits im letzten Jahr Interesse bekundet, im Schloss das erste und zweite Geschoß selbst zu restaurieren und die Eigentumsanteile zu erwerben”. Auch dies habe der Besitzer abgelehnt mit der Begründung, das Objekt sei nur komplett zu veräußern. Gemeinsam mit der Stadt wurden weitere Mieter für das Schloss gesucht. Gespräche ergaben, dass einige Ärzte bereit wären, ein Ärztezentrum im Schloss zu errichten. Der Bedarf hätte eine Nutzung des ersten und zweiten Geschosses sowie des Erdgeschosses sichergestellt. Bürgermeister Rainer Krätschmer über das Ergebnis: “Die geführten Gespräche und so genannten Preisverhandlungen scheinen nach meiner Anfrage bei dem Eigentümer nur eine Hinhaltetaktik gewesen zu sein, denn gegenüber seinen früheren Verkaufsabsichten, ist Herr Dr. Hodzic nun nicht mehr bereit, das Schloss zu veräußern. Dies wurde mir in einem Telefonat am 02.10.2008 bestätigt, bei dem Herr Dr. Hodzic nochmals darüber philosophierte, sich nunmehr seinen Traum zu erfüllen und im Schloss eine Galerie einzurichten.”
Die anfänglich vorgeschobenen anderweitigen Objekte wie Haus Europa und Augusta-Schule, die Bekundungen zu einem Verkaufsinteresse oder keinem Verkaufsinteresse, alles in allem nur ein vorgeschobenes Taktieren, das aufzeigt, dass wohl zu keinem Zeitpunkt ein Interesse bestand, Nutzvolles mit dem Schloss zu betreiben. Fatal im Umgang mit dem Eigentum – das sei der unbefriedigende Stand nach vielen Terminen mit dem Besitzer.
Das treffe gleichermaßen auf den baulichen Zustand des Forsthauses zu. Krätschmer: “In meiner Eigenschaft als Ortspolizeibehörde war ich deshalb gehalten, Sicherungsmaßnahmen aufgrund der Gefährdung für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu treffen und Herrn Dr. Hodzic schriftlich auf seine Verantwortung hinzuweisen.”
An die CDU-Fraktion gerichtet verweist Bürgermeister Rainer Krätschmer: “Oftmals habe ich Sie in Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung über Sachstände im Zusammenhang mit dem Schloss informiert. Es bleibt festzuhalten, dass das Schloss als Spekulationsobjekt zu schade ist; es bleibt aber auch festzustellen, dass es richtig war, dem seinerzeitigen Ansinnen der CDU entgegenzutreten, das Schloss zu erwerben und – bei einem Sanierungsbedarf von über 10 Mio. Euro – selbst zu investieren.”
Auch das Hessische Landesamt für Denkmalpflege hat keine ausreichenden Gelder zur Verfügung, um für das Schloss andere Finanzierungsmöglichkeiten zu eröffnen.
Er werde indessen die Gespräche mit den Ärzten weiter fortführen und versuchen, die Idee “Ärztezentrum für Wächtersbach” dahingehend – mit oder ohne Schloss – umzusetzen.
Als positives Beispiel erfolgreicher Verhandlungen führt Bürgermeister die kürzlich abgeschlossene Nutzungsvereinbarung zur Rentkammer an. Hier wolle er die wohltuenden kooperativen Verhandlungen mit dem Fürst zu Ysenburg und Büdingen beim Verkauf der Rentkammer festhalten. Innerhalb kürzester Zeit konnte hier ein für die Öffentlichkeit hervorragendes Ergebnis hinsichtlich der Nutzung des Gartensaales erzielt werden. Dies um so mehr, da das Ergebnis sicherstellt, dass die bereits investierten öffentlichen Gelder für die Sanierungsmaßnahmen nicht nur dem Eigentümer, sondern auch der Allgemeinheit zugute kommen.
Und auf das Schloss zurück kommend äußert Krätschmer abschließend: “Aufgrund dessen, dass dem Schlosseigentümer das Interesses fehle, zusammen mit der Stadt an einem Strang zu ziehen, um die beiderseits gesteckten Ziele zu erreichen, habe ich mich unter der Überschrift “Unsere Geduld ist erschöpft und die Zeit drängt” an die Presse gewandt, um meiner Forderung dem Erhalt und der sinnvollen Nutzung des Schlosses auch in der Öffentlichkeit mehr Nachdruck zu verleihen.”
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