Jul 22 2010
Wächtersbacher halbwaise Jungstörche sind flügge
HGON-Zufütterung verlief erfolgreich
Neuer Storchenbrutmast bei Neudorf ist in Arbeit
Es hat geklappt. Erstmals seit über 60 Jahren sind bei Wächtersbach junge Weißstörche flügge geworden – und dies unter erschwerten Bedingungen. Nach 64 Tagen im Nest haben vor wenigen Tagen die beiden Wächtersbacher ihren Jungfernflug absolviert.
Fast drei Wochen lang mußte das aus Büdesheim stammende zweijährige Storchenmännchen die Jungen alleine versorgen, nachdem sein Weibchen am 2.7.10 tot in der Aue aufgefunden worden war. Ausgerechnet in dieser Zeit herrschte eine extreme Trockenperiode, was die Nahrungsversorgung für den verbliebenen Altstorch erheblich erschwerte, da sich Regenwürmer und Nacktschnecken ins Erdreich zurückgezogen hatten.
Um dennoch eine erfolgreiche artgemäße Jungenaufzucht zu gewährleisten, entschloß sich der kreisweit tätige ehrenamtliche Artenschutzaktivist Werner Peter, Freigericht von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) eine maßvolle Zufütterung durchzuführen. Jeden Morgen legte er in der Nähe des Storchenmastes rund dreißig tote Eintagsküken am Boden aus, die auch überwiegend per Altvogeltransfer in den Mägen der Jungen landeten. Natürlich profitierten aber auch aasfressende Krähen, Rot- und Schwarzmilane von dieser vorübergehenden Zusatznahrungsquelle.
Nachdem die Jungstörche flügge geworden sind und in den Wiesen selbst Nahrung finden können, wurde die Zufütterungsaktion eingestellt. Voraussichtlich werden sie sich noch einige Tagen in der Wächtersbacher Aue aufhalten und allabendlich zur Übernachtung auf den Storchenbrutmast zurückkehren, bevor sie den Zug nach Süden antreten. Zu unterscheiden vom Altstorch sind sie an den schwärzlichen (nicht roten) Schnäbeln und Beinen.
Während der letzten zwei Wochen hielten sich zwischen Aufenau und Wächtersbach täglich mehr als acht Altstörche auf, was die dortigen Feuchtwiesen insbesondere mit den Naturschutzgebiet „Feuchtwiesen von Aufenau“ auch als besonderen Storchenlebensraum auszeichnet. Hierbei handelt es sich um noch nicht geschlechtsreife vorjährige Adebars oder Altvögel, deren Bruten erfolglos verliefen, so daß sie verfrüht aus ihren Brutgebieten abgewandert sind und jetzt durch die Auen streifen.
Nach der Brutsaison ist vor der Brutsaison. Um dauerhaft den Weißstorch als Brutvogel im grünlandreichen und storchentragfähigen Gebiet von Wächtersbach zu etablieren, hat Peter (HGON) die Aufstellung eines weiteren Storchenbrutmastes eingeleitet. Gewählter Standort ist ein einigermaßen störungsfreier Auenbereich bei Wächterbach-Neudorf. Den Neudorfer Landwirten Achim Müller (Flächeneigentümer) und R. Kistner (Flächenbewirtschafter) dankt er an dieser Stelle für spontane Zustimmung für die vorzeigbare Artenschutzmaßnahme. Der 13 m lange hochdruckimprägnierte Holzmast wurde gestern bereits angeleifert. Nachdem die Horstkopfmontage in den nächsten Tagen ehrenamtlich vorgenommen wird, erfolgt noch im Hochsommer per Baggereinsatz die Mastaufstellung. Hierfür werden Spenden erbeten: HGON-Konto: 7720165 bei der VR-Bank MKK (BLZ 506 616 39).
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